Farbgestaltung
Chorraum
Das Thema der Malerei im Chorraum weist auf die Auferstehung hin. Hinter dem Kreuz, das formal an Flammen erinnert, verläuft ein rotes vertikales Band. Zum einen nimmt das Rot das Thema der Flammen, des göttlichen himmlischen Lichtes wieder auf. Zum anderen gilt das Rot als Farbe der Harmonie, da es im Farbkreis genau in der Mitte der warmen und der kalten Farben steht. So stellt Rot den Ausgleich zwischen Licht und Finsternis dar. Das Rote wird zum Sinnbild für Christus, der die Harmonie und die Verbindung von allem Himmlischen mit dem Irdischen darstellt. Das rote Band durchbricht das Gesims, auch bewusst unter Miteinbeziehung dieses Architekturelements. So wird dem Akt der Auferstehung auch räumlich Ausdruck verliehen. Auch um den Bruch und das Aufbrechen von bisher gültigen Regeln und Vorstellungen Gestalt zu verleihen. Der Durchbruch der irdischen in die himmlische Welt wird auch im Wechsel der Farbe an dieser Stelle vom Rot ins leuchtende Gelb deutlich. Das strahlende Gelb in der Kuppel deutet auf Ostern und Auferstehung hin. Die Liebe und Barmherzigkeit Gottes finden darin ihren Ausdruck. Das Goldgelb vermittelt ein Gefühl von Wärme und Wonne, es repräsentiert den milden Abglanz der untergehenden Sonne. Das lichtnahe leuchtende Gelb gilt als Farbe der Erkenntnis. Seine Leuchtkraft erscheint uns angenehm warm und freudig. Als verbindendes Element zwischen Himmel und Erde begegnet uns das Licht im übertragenen Sinn also Christus als Licht der Welt. Ein Engel, der mit dem Band aufzustreben scheint, ist Symbol und Bote des Lichtes, das ihn durchstrahlt. Eine grüne Linie bildet eine Gegenbewegung zur aufstrebenden Bewegung der Komposition. Grün weist als Paradiessymbol auf die Hoffnung der Auferstehung hin.
Seitenaltäre
Auch die beiden Figuren, seitlich des Chorbogens, werden durch Farbbahnen in die Gestaltung integriert und als besondere Orte im Raum gekennzeichnet.
Hinter der Marienfigur verläuft ein ultramarinblaues vertikales Band. Blau erinnert an Maria als Himmelskönigin. Nach oben hin löst sich die blaue Fläche auf: Sinnbild für das ätherische, transzendente Blau. Seine Transzendenz macht es auch zum Synonym der Durchlässigkeit der Welten von Diesseits und Jenseits. Blau gilt als immateriellste aller Farben. Die Natur repräsentiert sich hier in ihrer Durchsichtigkeit, wie Wasser, Luft, Kristall.
Hinter der Figur des St. Severin strebt ein purpurfarbenes Band nach oben. Der echte Purpur kann nur durch Lichteinwirkung entstehen, und gilt darum als Lichtsymbol. Zudem ist diese Farbe vollkommen lichtbeständig, wodurch sie zur Symbolfarbe der Ewigkeit wurde.
Taufort
Ein blaues, horizontales Band verbindet die verschiedenen Orte in der Taufnische. Das malerische Blau auf der Fläche verweist auf das Wasser der Taufe, als Zeichen der Gemeinschaft aller Christen. Blau erinnert auch als Farbe der Ozeane an das Wasser als Schoß des Lebens. Wasser steht für das reinigende Element, das in der Taufe eine Neugeburt aus dem Wasser bewirken soll. Die bewegte Fläche, soll das Fließen des Wassers, das niemals stillsteht zum Ausdruck bringen. Das Symbol der Bewegung deutet auf die Zeit, Veränderung und Werden hin. Das Blau erinnert an die himmlische Schöpfung und den himmlischen Ursprung. Blau drückt unbegrenzte Ferne und Tiefe aus. Es versinnbildlicht die Sehnsucht nach dem Wunderbaren. Blau trägt in sich die Qualität der Klarheit, der Durchsichtigkeit, im übertragenen Sinn die der rationalen Transparenz, der intellektuellen Durchdringung, also den Forscherdrang des Geistes. Diese Farbe ist auch zu allen Zeiten das Farbsymbol des Geistigen, Fernen und Erhabenen gewesen, sie ist das Sinnbild für Gottesfrieden und ewige Glückseligkeit.
Hinter dem Taufstein verlaufen zwei blaue aufstrebende Bänder. Sie stehen für die Zusammenkunft der Flüsse in Passau und weisen auf die besondere Bedeutung des Wassers für die Stadt hin. Dabei hat das Wasser hier eine ambivalente Bedeutung, man denke nur an die Überschwemmungen, wie zum Beispiel auch in diesem Jahr, als die Wandmalerei im Chor entstand.
Ein gelber „Lichtstrom“ strebt ebenso hinter der Taufe empor. Das Gelb beschreibt das Licht der Gestirne und die Farbe der Blüten. So wirkt es als verbindendes Element zwischen Himmel und Erde. Das gelbe Band ist ein Symbol der Hoffnung und all der guten Wünsche, die der Getaufte mit auf seinen Weg bekommt.
Hinter dem Kruzifix setzt sich das Gelb als Hintergrundfarbe fort. Hier weist es auf die göttliche Freude und Herrlichkeit hin. Im Gelb triumphiert das Licht in der Farbe und befreit sich lichttrunken aus jeder Bindung, verströmt über alle Grenzen. So steht das Gelb für die Vollendung und Verherrlichung.
Hl.
Sebastian
Schließlich findet sich auch Gelb unterhalb der Figur des heiligen Sebastian. Dessen Hintergrundfarbe erscheint in Violett. Das dunkle Violett, als Farbe der Passion deutet als zwiespältigste Farbe auf Melancholie und Traurigkeit hin. In der Natur begegnet uns diese Farbe im Untergang der Sonne, beim Übergang des Tages zur Nacht. Die spannungsreiche, aber auch verbindende Wirkung zwischen den Ausdruckswerten des vitalen Rot und des transzendenten Blau kommt hier zum Ausdruck. Als Farbe der Vermittlung schafft Violett den Ausgleich zwischen Erde und Himmel, Sinnen und Geist, Leidenschaft und Intelligenz, Liebe und Weisheit.
Tobias Kammerer M. A., Rottweil
November 2005